ReiseR: Reiseveranstalter haftet bei Rail & Fly Ticket für verpassten Flug
Bei Buchung eines Rail & Fly Ticket haftet der Veranstalter für den Schaden, den ein Reisender daurch erleidet, dass er wegen einer Zugverspätung den gleichfall gebuchten Flug verpasst. Dies hat der Bundesgerichtshof (BGH) klargestellt. (BGH Urt. vom 28.10.2010 - Xa ZR 46/10)
ArbR: An- und Ablegen von Arbeitskleidung Arbeitszeit ?
Das An- und Ablegen (Umziehen) einer Polizeiuniform gehört zur Arbeitszeit eines Polizeibeamten - und ist nicht der Privatsphäre zuzuordnen. Das Verwaltungsgericht Münster/ Westf. hat entschieden, dass zwar die Berechtigung bestehe, die Unfiform vor Antritt des Dienstes schon zu Hause an- bzw. abzulegen, aber keine entsprechende Verpflichtung. Erfolgt das Umziehen erst in der Dienststelle, ist das Arbeitszeit, die entsprechend zu vergüten ist. (VG Münster/ Westf. Urt. vom 01.07.2010 - 4 K 1753/08) Anmerkung: Es bleibt abzuwarten, ob man nach der Entscheidung vermehrt Polizeibeamte in Freizeitkleidung auf dem Weg zur Dienststelle beobachten kann. (RA Fiedler 18/07/2010)
ArbR: Internet und E-Mail für jedes Betriebsratsmitglied
Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat Klarheit geschaffen:: Verfügen Mitglieder des Betriebsrats über eigene Internetzugänge und E- Mail- Accounts an ihrem Arbeitsplatz, besteht ein Anspruch auf Einrichtung entsprechender, verschlüsselter Zugänge im Rahmen der Betriebsratsarbeit für jedes einzelne Mitglied der Arbeitnehmervertretung. Dagegen vorgebrachte Kostenargumente des Arbeitgebers müssten zurücktreten. (BAG Beschl. vom 14.07.2010 - 7 ABR 80/08)
ArbR: Nochmals: PC für Betriebsrat
Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (LAG) hat im Januar 2010 nochmals entschieden, dass ein Arbeitgeber dem Betriebsrat auf Kosten des Unternehmens einen PC zur Verfügung stellen muss, wenn er selbst im Unternehmen im Umgang mit der Arbeitnehmervertretung sich der EDV bedient. (LAG Schlewig-Holstein Beschl. vom 27.01.2010 - 3 TaBV 31/09)
ArbR: Urlaub bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses abzugelten
Endet das Arbeitsverhältnis und konnte der Beschäftigte den gesetzlichen Urlaub aufgrund Erkrankung nicht in Natura nehmen, so ist der noch bestehende Urlaubsanspruch finanziell auszugleichen, also auszuzahlen. Das gilt auch für Zusatzurlaub wegen einer bestehenden Schwerbehinderung. (BAG Urt. vom 23.03.2010 - 9 AZR 128/09)
ArbR: BIldung von Altersgruppen bei betriebsbedingten Kündigungen - Verstoss gegen EU- Recht?
Wieder einmal zeigt sich Europa im Arbeitsrecht von seiner besten Seite. Jahrzehntelang stand die Zulässigkeit der Bildung von Altersgruppen i.R.v. betriebsbedingten Kündigungen außer Frage. Nunmehr hat das Arbeitsgericht Siegburg dem Europäischen Gerichtshof (EUGH) diese Frage zur Vorabentscheidung vorgelegt. Das Arbeitsgericht will die Frage der Vereinbarkeit mit der Richtlinie 2000/78 EG überprüfen lassen. Bis zu einer Entscheidung des EUGH verbleibt nun eine große Unsicherheit beim Ausspruch betriebsbedingter Kündigungen. Die Zahl von arbeitsgerichtlichen Verfahren wird dadurch ansteigen. (ArbG Siegburg Bechl. vom 21.01.2010 - 2 Ca 2144/09)
MietR: Frist zur Abrechnung der Betriebskosten ist der 31.12. des auf den Abrechnungszeitraum folgenden Jahres
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat kürzlich nochmals bestätigt, dass massgeblich für die Fristwahrung bei der Erstellung einer Betriebskostenabrechnung der rechtzeitige Zugang der Abrechnung bei der Mietpartei ist. Dafür ist der Vermieter beweispflichtig. Es gibt keinen Anscheinsbeweis, dass eine zur Post gegebene Briefsendung dem Empfänger tatsächlich zugestellt wird. (BGH Urt. vom 21.01.2009 - VIII ZR 107/08)
FamR: In Ausnahmefällen Ausssetzung des Umgangsrechts (Besuchsrechts) möglich
Das Oberlandesgericht Hamm hat deutlich dazu Stellung genommen, dass in Ausnahmefällen bei einer nachhaltigen Weigerung des minderjährigen Kindes das Umgangsrecht bis zur Volljährigkeit des Minderjährigen ausgesetzt werden kann. Voraussetzung ist nach Auffassung des Oberlandesgerichts aber neben der ernsthaften Verweigerung des Umgangs die notwendige Feststellung der Gefährdung des Kindeswohls, wennn die Kontakte fortgesetzt würden. Im zu entscheidenden Fall eines Teenagers war wegen der belasteten Kontakte zum Vater bereits eine jugendpsychatrische Behandlung erforderlich geworden. (OLG Hamm Entscheidung vom 08.01.2009 - 2 UF 214/08, II - 2 UF 214/08)
FamR: Tilgungsanteil im Hausabtrag: Berücksichtigungsfähig als zusätzlicher Beitrag zur "Altersversorgung"?
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat der Notwendigkeit, den Lebensstandard im Alter zu sichern, nunmehr auch dadurch Rechnung getragen, dass grundsätzlich der Tilgungsanteil eines Hausabtrags bei der Bemessung des unterhaltsrelevanten Einkommens des Unterhaltspflichtigen zu berücksichtigen ist. Dies soll nach Auffassung des BGH bis zur Höhe von 4% des Gesamtbruttoeinkommens des Vorjahres möglich sein. Der BGH weiter: Nur soweit tatsächlich erbrachte Leistungen der Altersvorsorge darüber hinaus gehen, müssen sie als einseitige Vermögensbildung zu Lasten des Unterhaltspflichtigen unberücksichtigt bleiben. (BGH Urt. vom 05.03.2008 - XII ZR 22/06)
FamR: Ehedbedingte Nachteile können durch zeitlich nachgeordnete Erkrankung beseitigt werden
Das Oberlandesgericht Schleswig (OLG) hatte darüber zu entscheiden, ob eine Erkrankung einer Nachscheidungsunterhalt begehrenden Ehefrau vorhandene ehebedingte Nachteile kompensieren kann. In seiner Entscheidung hat das OLG auf Grundsätze der "überholenden Kausalität" - bekannt sonst nur aus dem Schadensersatzerrecht _ zurückgegriffen und in einem Leitsatz zusammengefasst, dass zunächst vorhandene ehebedingte Nachteile durch die nachfolgende Erkrankung ihre Auswirkungen verlieren können. Der weggefallene ehebedingte Nachteil ist dann allerdings (nur noch)als Faktor im Rahmen der Billigkeitsabwägung zur Bestimmung des Maßes der nachehelichen Solidarität zu berücksichtigen. (OLG Schleswig Beschluss vom 04.10.2010 - 10 UF 78/10, besprochern von RA Fiedler in FamFR 2010, 561)
FamR: Sorgerecht bei Umzug ins Ausland
In einer interessanten Entscheidung hat das Oberlandesgericht Koblenz (OLG) die Übertragung der elterlichen Sorge auf den umzugswilligen Elternteil u.a. mit Hinweis auf die Erschwernisse beim (zukünftigen) Umgang des anderen Elternteils abgelehnt. Der Fall: Die vom Kindesvater getrennt lebende Ehefrau beabsichtigte mit dem gemeinsamen ehelichen Kind (sechs Jahre alt) von Deutschland nach Italien zu ihrem neuen Lebenspartner umzuziehen. Der Kindesvater wandte u.a. ein, bei einem Umzug sei sein Umgangsrecht entscheidend eingeschränkt, da er in seinem Wohnort in Deutschland ansässig bleiben müsse - schon um seiner bisher ausgeübten beruflichen Tätigkeit weiter nachgehen zu können. Das OLG hat in seiner Entscheidung das Interesse des Kindes an einem ungehinderten Umgang mit seinem Vater ggü. dem Interesse der Mutter an der örtlichen Freizügigkeit der Wahl ihres Lebensmittelpunktes abgewogen. Das Gericht entschied, dass es mangels sozialer Bindungen an den Wohnort in Italien nicht dem Kindeswohl entspreche, ins Ausland zu verziehen und wies den Antrag der Kindesmutter zurück. (OLG Koblenz Beschl. vom 04.05.2010 - 11 UF 149/10)
ArbR: Nebentätigkeit bei Konkurrenzunternehmen genehmigungspflichtig
Die Nebentätigkeit bei einem Konkurrenzunternehmen ist in einem laufenden Arbeitsverhältnis u.U. genehmigungspflichtig und kann dem Arbeitnehmer nicht untersagt werden. Ein bei der Deutschen Post AG mit einer Wochenstundenzahl von 15 Stunden tätiger Briefzusteller darf in einer Nebentätigkeit bei einem Zeitungszusteller in den frühen Morgenstunden tätig sein, der u.a. auch Briefzustellungen vornimmt. (BAG Urt. vom 24.03.2010 - 10 AZR 66/09)
KaufR: Falsche Farbe beim PKW- Kauf stellt Mangel dar
Wird ein bestelltes Fahrzeug mit einer falschen Farbe geliefert, berechtigt das den Käufer zur Ausübung der Gewährleistungsrechte (z.B. zur Rückabwicklung des Vertrages). Der Bundesgerichtshof (BGH) sieht die Farbe eines bestellten PKW als wesentlichen Umstand zur Kaufentscheidung an. Deshalb stelle die Lieferung mit einer falschen- nicht betellten- Farbe einen Mangel dar, der zur Zurückweisung der Lieferung durch den Käufer berechtige. (BGH Urt. vom 17.02.2010 - VIII ZR 70/07)
FamR: Wechselmodell nicht immer durchsetzbar - Anwaltmediation sorgt für einvernehmliche Regelungen
Das sogenannte Wechselmodell, wonach im Falle des Getrenntlebens minderjährige Kinder zwischen den Wohnungen ihrer Eltern hin- und herwechseln können, ist nur dann möglich, wenn beide Elternteile damit einverstanden sind. Ist der Kindesvater oder die Mutter mit dem wechselnden Aufenthalt eines Kindes nicht einverstanden, kann durch Gerichtsbeschluss ein Wechselmodell nicht angeordnet werden. (OLG Koblenz Beschl. vom 12.02.2010 - 11 UF 251/09) Anmerkung: Diese begrüßenswerte Entscheidung zeigt einmal mehr, dass Kooperation zwischen den Elternteilen nach Trennung angesagt ist. Ein mögliches und empfehlenswertes Konfliktlösungsmittel ist sicherlich die Anwaltmediation. (RA Fiedler 23/02/1010)
ArbR: Keine uneingeschränkte Teilnahmepflicht an Personalgespräch
Ein Arbeitnehmer ist grundsätzlich verpflichtet, an einem vom Arbeitgeber anberaumten Personalgespräch teilzunehmen. Verweigert er die Teilnahme, riskiert er eine Abmahnung. Eine Verpflichtung besteht allerdings nur dann, wenn Thema des Gesprächs die Arbeitsleistung selbst oder die Ordnung oder das Verhalten im Betrieb betrifft. Das Bundesarbeitsgericht hat keine Verpflichtung zur Teilnahme für den Fall gesehen, dass der Arbeitgeber eine Vergütungsreduzierung besprechen möchte. (BAG Urt. vom 23.06.2009 - 2 AZR 606/08)
ArbR: Teilzeitwunsch des Mitarbeiters bindend
Es ist rechtlich nicht zu beanstanden, wenn ein Arbeitnehmer den Anspruch auf Teilzeitarbeit davon abhängig macht, dass der Arbeitgeber diesem Wunsch auch tatsächlich entspricht, vgl. § 8 Abs. 2 TzBfG. Er darf seine Vorstellungen aufgrund der gesetzlich vorgesehenen mündlichen Erörterung gem. § 8 Abs. 3 TzBfG mit dem Arbeitgeber während des Gespräches ändern. Danach ist er allerdings an diesen geänderten und geäußerten Wunsch gebunden. (BAG Urt. 24.06.2008 - 9 AZR 514/07)
FührerscheinR: Ausländische EU- Fahrerlaubnis gilt nur bei Wohnsitz im Ausland
Ein in einem Land der EU erworbener ausländischer Führerschein kann entzogen werden, wenn dessen Inhaber die Fahrerlaubnis zu einem Zeitpunkt erworben hat, als dort kein eigener Wohnsitz begründet war. Also: Wohnsitz und Austellungsort der Fahrerlaubnis müssen identisch sein, soll die Fahrerlaubnis in Deutschland gefahrlos genutzt werden. (BVerwG Urt. vom 11.12.2008 - 3 C 26/07 und 3 C 38/07)
ArbR: Ausschlussfrist von zwei Monaten ist unwirksam
Eine im Arbeitsvertrag als Allg. Geschäftsbedingung vereinbarte Ausschulssfrist von zwei Monaten ist gem. § 307 Abs. 1 BGB unwirksam. Der Arbeitsvertrag bleibt im übrigen aber wirksam. Statt der unwirksamen Ausschulussfrist gelten die gesetzliche Verjährungsfrist (§§ 194ff. BGB) und die Grundsätze der Verwirkung. (BAG Urt. vom 28.11.2007 - 5 AZR 992/06)